Montag, 10. Juni 2013

Tee und Natur

Bilder und Text von Krabbenhüter



Der Tag beginnt wie oft mit dieser Sehnsucht. Ein Blick aus dem Fenster ruft mich nach draußen. Erinnerung mischt sich mit Vorfreude. Die letzten Vorbereitungen gehen wie von selbst voran. Ein passender Tee legt sich mir in die Hand. 




Dann geht es los. Die Straße entlang, zwischen den letzten Häusern hindurch öffnet sich der Blick, entsteht erste Weite, Grün mit Gelb gemischt. Schon der Weg von vielen ins Gras getreten ist erste Etappe.
So nah an der Stadt und doch auch schnell draußen, diese einfach hinter sich lassend. 


An einem Bach entlang führt mich mein Weg. Sein Plätschern und Gurgeln beruhigt mich, regt an zu kurzem Verweilen und Lauschen. 

 
Dann geht es weiter, ein Stück durch den Wald. Lange Kiefern stehen in Reihen, gemischt mit Birken, verströmen sie Ruhe. Vögel singen auch hier, etwas gedämpft. Ein Specht klopft. Ich stehe ein wenig, schaue den Weg entlang, die Hände vor mir, sinke, entspanne, schaffe Verbindung zum Boden.

Wo der Wald sich öffnet, kommt mir ein Reiter entgegen. Ein großes, dunkles Pferd sucht seinen Weg im Gras. Pferde sehe ich oft hier, sie laufen in weiten Runden, allein oder in Gruppen. 


Das ist nicht wilde Natur hier, mehr wie ein Park, viele Wege, breite Bahnen, mal Gras, weite Blicke, Baumgruppen und Hecken. 



Baumstümpfe liegen verstreut, laden ein zum Sitzen und Verweilen. Ein schöner Ort lädt ein, meinen Tee zu gießen. Das mitgebrachte Wasser hat noch die passende Temperatur. ... 




Tee in der Natur bedeutet für mich eine Verbindung von Wahrnehmungen.

Ich gehe einen einfachen Weg: einfaches Geschirr, einfache Tees, die sich leicht gießen lassen. Schon der Weg hin stellt eine Verbindung zur Natur her. Der Alltag wird leicht und bleibt zurück. Auch der gleiche Weg ist jedes Mal anders. Ich suche nicht aber immer sehe ich etwas mit anderen Augen. 

Gieße ich den Tee dann ist es genauso. Ich suche nicht einen bestimmten Geruch oder Geschmack. Und doch oft genug bemerke ich etwas Besonderes. So wie plötzlich aus dem grünen Rasen eine blaue Blume hervortritt, entwickelt sich ein spezieller Geschmack nach Kräutern und Früchten, ist er mal süß oder bitter. 

Wind rauscht in den Bäumen. Vögel singen, das Wasser plätschert leise beim Gießen, Teeblätter wirbeln herum in der Schale, färben das Wasser. ... 

Ist der Tee getrunken, gehe ich weiter, zurück nach Hause und spüre noch den Geschmack des letzten Schluckes im Hals, hänge dem letzten Geruch nach. So gehe ich durch die Natur, kleine Details, Zusammenhänge sehend, die sich beharrlich weigern in Bilder gefasst zu werden, flüchtig, auch wieder vergessend. Und doch wie einzelne Sandkörnchen ein Bild ergeben, trage ich sie bei mir.
Sitz ich zu Hause am Tisch, den Tee gießend, kommt es vor, dass ich Erinnerungen teile, an die Natur draußen. Ein Geschmack beim Trinken erinnert mich an die Wiese, den Geruch dort, an Bäume, an Holz von Moos überzogen.



Und die Natur ist selten nur grün, kann auch mal weiß sein im Winter. Die gleichen Wege, stiller jetzt, vielleicht knarzen die Bäume aneinander, meine Schritte knirschen im Schnee. Dann ein wärmender Tee an einer Bank im Schein einer kleinen Sonne tut gut und schmeckt ganz besonders nach dem bewältigten Weg.

Kommentare:

  1. schönes posting, krabbe!

    was für tee hast du getrunken?

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  2. Ja vielen Dank an Krabben Hueter, das ist wirklich ein sehr inspirierender Beitrag. Da werde ich mal anknüpfen :D

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