Dienstag, 23. Mai 2017

Zu Besuch bei Jan Kollwitz - Teil 2 - Der Brennofen

Heute geht es nun also weiter mit dem Bericht über meinen Besuch bei dem Keramiker Jan Kollwitz.


Als wir hinten aus dem Haus ins Freie traten, sahen wir gegenüber die Werkstatt und links herum viel Holz aufgestapelt. Dort kamen wir dann auch zum Ofen – dem Anagama Ofen.


Aber was ist denn eigentlich ein Anagama Ofen?




Einfach ausgedrückt ist das ein aus Schamottsteinen ( im Original ungebrannter Ton ) hochgemauerter, oben mit rundem Gewölbe versehender Raum, wo „vorn“ Holz verbrennt, im restlichen Teil die Keramik „brennt“ und hinten über einen Schornstein die „verbrannte“ Luft wieder abgeleitet wird.
Und eigentlich sieht das von außen (sofern er kalt ist) auch recht unspektakulär aus. Ich hatte schon Bilder von richtig großen, langen Öfen gesehen, die meist an einem Hang aufgebaut waren. Der hier ist kleiner und ohne Hang gebaut. Aber das ist auch eigentlich unwichtig.

Wenn man sich etwas genauer mit der Funktion eines solchen Ofens beschäftigt, wird es interessant. Alles muss zusammenpassen, damit ein interessantes Ergebnis entsteht.



Alle 3 Minuten Holzscheite durch dieses Loch in den Ofen zu werfen, der laut wummernd arbeitet und das vielleicht 3-4 Tage lang, damit die Temperatur über 1250 Grad Celsius über die gewünschte Zeit hin erzielt wird. Nicht zu wissen, was dabei entsteht, aber zu wissen, dass einiges bis vieles den Brand nicht übersteht, hinterher nicht zu verwenden sein wird…





Wenn ich in diesen schwarzen Raum schaue, an dessen schwarz glasierten Wänden noch  zu erahnen ist, welche  Kraft der Entstehung und Zerstörung dort wirkt. Beeindruckend muss das schon sein, diesen Ofen in Betrieb zu sehen. Beeindruckend und prägend für denjenigen, der ihn befeuert.





Nachdem wir also zuerst den Ofen für uns erforschen konnten und auch den Garten angesehen hatten kam Jan Kollwitz zu uns und nahm sich dann viel Zeit um uns den Ofen und wie er ihn nutzt zu erklären.



Meist einmal im Jahr, wenn alle Keramiken getöpfert sind, muss sich Jan Kollwitz darauf einstimmen den Ofen zu brennen. Wie wird die Keramik optimal eingestapelt, damit der Ofen gut zieht und die Oberflächen der Stücke interessante Muster erhalten. So wie die Asche durch den Raum wirbelt, entstehen Verläufe, je nach Temperatur entstehen Farben, die Glasur, die durch die herabfallende Asche entsteht, verläuft nach unten, egal, wierum das Objekt steht. Vielleicht könnte man einiges ahnen, vermuten. Und doch ist vieles eher Zufall, die gesamte Bandbreite von Herausragend bis Zerstört umfassend. Das Scheitern und Auferstehen wird zur Kunst erhoben. Damit umzugehen war und ist ein langer Weg, der vielleicht durch das Praktizieren japanischer Versenkungsmethoden etwas erleichtert wird.




Auch diese drei Schalen stehen nicht ohne Zweck oben drauf. Selbst wer nicht an Ofengeister glaubt ( und wahrscheinlich spätestens beim Anblick eines feuernden Ofens wird man da in Zweifel kommen ), kann nicht die Sinnfälligkeit dieses Rituals bestätigen.
Salz, Reis und Sake sind die drei Elemente, mit denen sich dieser Geist der Extreme zufrieden gibt.



Nur ein paar Schritte entfernt schlägt sich mir der Bogen von der Keramik zum Tee durch diese in voller Pracht blühende Kamelie, keine Sinensis, der man nicht ansieht, wie sie der Kälte des winterlichen Frostes schon fast erlegen war, sich erst wieder, wie Phönix aus der Asche, neu entwickeln musste.





Im Garten steht ein Gefäß, welches in der Kraft des Feuers zerrissen wurde. Dieser Riss ist endgültig und lässt sich nur in bestimmten Fällen reparieren. Was manchmal dann auch wieder zur Kunstform hin entwickelt wird.



Nachdem wir nun ausgiebig über den Ofen gesprochen hatten und uns langsam etwas kühl an den Händen wurde, lud uns Jan Kollwitz in den Raum mit dem Kamin, an den großen Tisch, zu einem Tee ein. Das Feuer im Kamin wärmte uns schnell wieder auf.

Aber dazu mehr im dritten Teil meines Berichtes.



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